JugendMedienEvent 2012

Das JugendMedienEvent 2012
20. bis 23. September in Frankfurt und Mainz

Junges Fernsehen – experimentell, kreativ, demokratisch

Ein Besuch bei ZDFneo

„Jung“ wollen die Verantwortlichen sich nicht als erstes Schlagwort auf die Brust heften lassen, man kommt aber unweigerlich dahin – mit knapp drei Jahren ist ZDFneo einer der jüngsten Fernsehkanäle des Zweiten Deutschen Fernsehens. Er spricht mit den 20- bis 40-Jährigen die jüngste Zielgruppe an und initiiert junge, sprich neue, Formate.

„Wir sind eine Experimentier- und Entwicklungsplattform“ erklärt Nicolas Bienefeld, der in der strategischen Planung des Digitalsenders arbeitet. Drei Sparten werden unterschieden: Fiction, Factual Programs sowie Show & Entertainment. Anders als das ZDF greifen die rund 40 Mitarbeiter des Hauses nicht selbst zur Kamera, sondern schreiben Aufträge und Ideen aus und beauftragen Produktionsfirmen, mit denen gemeinsam sie die Sendungen entwickeln.

„Hinter der Organisation durch ein oder zwei unserer Redakteure stehen rund 50 Mitarbeiter in den Produktionsfirmen, das könnten wir allein nie stemmen“, sagt Bienefeld. Findet das Formatkonzept einer Produktionsfirma Anklang, startet die sogenannte Pilotierung und eine erste exemplarische Folge wird gedreht. Über Top oder Flop entscheiden dann die Redakteure – außer im Fall des TVlab, in dem dieses Jahr zum zweiten Mal nach Vorstellung sieben neuer Ideen von den Zuschauern online abgestimmt wurde, welche neue Sendung sie im Programm sehen wollen.

Wild Germany

„Wir wollen Parallelwelten zeigen“, erklärt der neo-Redakteur Johannes Geiger, der die Sendung „Wild Germany“ betreut. Dabei geht er im Team mit der Produktionsfirma eigenen oder deren Ideen nach und schickt für die Sendung den Reporter Manuel Möglich auf eine Recherchereise.

Wer das Format kennt, weiß, dass die Grenzen gröber gesetzt sind als beim Mutterkanal, und Geiger beabsichtigt genau dies. Die Entscheidung, wie weit man gehen kann, ist eine verantwortungsvolle: „Einmal wollten wir über Frauenhandel berichten, das wurde sehr schnell gefährlich, sodass wir am Ende die Unterlagen der Polizei übergaben und die Finger davon ließen.“ Ethikspezialisten und Juristen werden dabei zu Rate gezogen. Ein anderes Mal erhielten sie ein Drohschreiben von Satanisten und drehten daraufhin keine zweite Folge zu dem Thema.

Die Arbeiten an einer Sendung dauern Wochen bis Monate, je nach Thema, das vorher in einem Skript geplant werden. „Das funktioniert nie“ grinst Geiger, „aber wir haben die Freiheit, alles wieder umzuwerfen.“

Bambule

„Das Format lebt natürlich von Sarah Kuttner“, sagt Sebastian Flohr, einer der Redakteure der Sendung „Bambule“. Ihre Meinung, ihre Identifikation mit dem jeweiligen Thema seien essentiell für die Sendung, das mache sie so authentisch. Die vielen graphischen Elemente verkomplizieren die Planung, nach den Dreharbeiten wird vor allem viel geschnitten, neu zusammengesetzt und im besten Wortsinn untermalt – beim Stichwort Liebe bekommen die vorbeifahrenden Lastwagen Herzen, Schlagworte wie Mut schlängeln sich dezent als Farbklecks durch den Hintergrund. Dementsprechend ausführlich fällt die technische Prüfung am Ende aus – Flohr: „Man unterschätzt den Rattenschwanz, der dabei entsteht.“

neoParadise

Bereits in der dritten Staffel befindet sich die Late-Night-Show „neoParadise“ mit Publikumslieblingen Joko und Klaas. „Ein Skript gibt es, aber die beiden kennen sich lange, da kommt viel spontan“ weiß Redakteur Holger Fritsche. Zum Format zählen Gäste für Gespräche, klassische Standup-Comedy und Musikbeiträge.

„Mit der Band aus dem Schrank haben wir uns mittlerweile auch als Newcomerbühne etabliert“ beschreibt Fritsche ein weiteres Merkmal. Dieser Schrank wird nach kurzer Zeit mit der Band darin wieder verschlossen, und zwar von Oma Violetta, einer rüstigen 75-jährigen Laiendarstellerin. „Sie ist stark polarisierend und wurde als Störelement in die Sendung aufgenommen. Sie hat etwas absurdes, ist aber gleichzeitig eine Art gute Seele des Hauses.“

Eine Teilnehmerin will wissen, ob die deutlich angeheiterten Moderatoren in der Sendung „Showolympiade“ wirklich betrunken gearbeitet hätten. Das gibt Fritsche zu und kann sich der Kritik der Verharmlosung von Alkohol in jenem Fall auch nicht entziehen, betont aber die komischen Elemente: „Es ist viel geprägt von absolutem Blödsinn. Man kann nicht hinter allem einen Sinn vermuten.“

Neue Formate

Bei ZDFneo will man neue Formate veröffentlichen. „Worüber spricht man, wo eckt es an?“ resümiert Nicolas Bienefeld die Kriterien. Produktionsfirmen haben dabei andere Inputs, seien am Puls der Zeit und „anders sozialisiert“. Auf einen Redakteur hingegen käme immer auch viel Verwaltungsarbeit zu, er muss juristische und ethische Richtlinien im Kopf haben, die Verantwortung übernehmen. Bienefeld beruhigt: „Bis jetzt haben wir keinen Stress mit dem Ethikrat bekommen, noch nicht mal mit den Kirchenvertretern darin.“

Impulse seien aber auch von allen Zuschauern willkommen; die Kommentare im Onlinebereich werden ausgewertet und Bienefeld appelliert: „Meldet euch!“

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