JugendMedienEvent 2012

Das JugendMedienEvent 2012
20. bis 23. September in Frankfurt und Mainz

Journalistischer Umgang mit der Krise

Eröffnungsdiskussion

Zur Einleitung des Abendprogramms und offiziellen Beginn des JugendMedienEvents nach der Medienstartermesse diskutierten hochkarätige Gäste der verschiedenen Medienbranchen mit den rund 300 Teilnehmern des Events. Orientiert am diesjährigen Thema „Geld. Macht. Medien. Und was machst du?“ wurde die journalistische Freiheit, Arbeitsweise und Zukunft angesichts wirtschaftlichen Krise und ihrer Auswirkungen 90 Minuten erörtert.

„Die Krise ist ein sehr abstraktes, schwieriges Thema“, beginnt Michael Opoczynski, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Soziales und Umwelt. „Wir gehen dahin, wo sie passiert und setzen Reportagen gegen Großbuchstaben“ beschreibt er die Strategie seines Mediums. Im tagesaktuellen Printbereich sieht Peter Königsberger, stellvertretender Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung Mainz eine besondere Herausforderung: „Als Medium mit dem größten Vertrauensvorschuss müssen wir jeden Tag die Informationen so verdeutlichen, dass die Menschen es verstehen.“ Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat da einen Vorteil: „Wir haben mehr Zeit, die Hintergründe mit unterschiedlichen Analysen aufzuarbeiten, die zur individuellen Meinungsbildung beitragen können“, erklärt Thomas Krüger, Präsident der Institution.

 

Ruhe, bitte

 

Gleichzeitig ist in der Berichterstattung zu heiklen und auswirkungsreichen Themen wie der Wirtschaftskrise Vorsicht und Bedacht geboten: „Was richte ich an, mit dem, was ich tue, muss man sich immer kritisch fragen“, so Heinz-Rudolf Othmerding, Chefredakteur und Geschäftsführer der dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten. „Man muss jederzeit hinter dem eigenen Geschriebenen stehen können.“

Einen solchen Fall der Gratwanderung beschreibt Michael Opoczynski als einen einmaligen in seiner über 30-jährigen Erfahrung als Journalist: Im Oktober 2008 wurde vormittags eine Eilkonferenz einberufen, in der ein deutscher Großbänker die Anwesenden bat – im völligen Bewusstsein, dass sie letztendlich autonom entscheiden würden – Ruhe zu bewahren und das Volk nicht unbedacht in Panik zu versetzen angesichts des Börsenchaos nach Untergang der Lehman Brothers. Einen Tag später verkündet Angela Merkel in der Bundespressekonferenz: „Die deutschen Ersparnisse sind sicher.“ Opoczynskis Kollegen nicken, sie haben von ähnlichen Tourneen der Bänger gehört.

„Das Thema muss aktuell bleiben“, resümiert Thomas Krüger: „All diese Finanzprodukte, die zur Krise geführt haben, gibt es weiterhin. Die freie Marktwirtschaft wälzt mit der öffentlichen Haftungsübernahme die Verantwortung auf die Bürger ab.“

 

Schon wieder Krise

 

„Wie gehen Sie mit der Verdrossenheit der Bürger um, für die sich das Thema ständig wiederholt und nur an Kompliziertheit gewinnt?“ will der Teilnehmer David Missal aus Osnabrück wissen. „Das Thema wird bei uns täglich diskutiert, es ist sehr spannend, entwickelt sich immer weiter“, entgegnet Heinz-Rudolf Othmerding. „Es ist eine neverending story ähnlich dem Nahostkonflikt.“

Opoczynski sieht anhand der Einschaltquoten täglich die Volksabstimmung mit den Füßen, beziehungsweise der Fernbedienung. „Die Zuschauer können das Wort nicht mehr hören – zumal die Krise in Deutschland nicht sichtbar ist.“ Wenn man aber eine konkrete Geschichte erzähle, dann würden die Menschen aufmerksam.

Peter Königsberger sagt aus seiner Perspektive: „Die Menschen sind überraschend gelassen, das begegnet mir und den Kollegen täglich bei ihrer Arbeit.“

 

Politikverdrossenheit oder Gelassenheit?

 

Gelassen oder abgestumpft, fragt Lucy Thiede aus dem Publikum. Thomas Krüger setzt dem mit den Ergebnissen der Shell Jugendstudie entgegen, die Bürger seien im Allgemeinen eher interessierter: „Das Interesse an politischen Themen ist allgemein gestiegen, besonders bei Bildungsaffinen.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken: „Bei den Abgehängten jedoch ist das Interesse massiv verebbt – wir machen uns viele Gedanken, wie wir diese Benachteiligten ebenfalls reflexiv teilhaben lassen können, um ein weiteres Auseinanderklaffen der Schere zu verhindern.“

Einen Trend zur erhöhten Teilnahme an politischer Meinungsbildung sieht er aber auch, ermöglicht durch neue Medienformen wie Blogs oder auch die Kommentarfunktion der Onlinemagazine. „Schauen Sie sich die USA an“, gibt er ein aktuelles Beispiel, „da filmt jemand den republikanischen Präsidentschaftskandidat Mitt Romney mit einer kleinen Kamera, schneidet die Szenen zusammen, in denen die halbe Bevölkerung beleidigt wird und bloggt das Video“ – eine deutliche Botschaft ganz ohne klassische Medien. „Die Probleme, die die Menschen sehen, werden immer aufgegriffen.“

 

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