JugendMedienEvent 2012

Das JugendMedienEvent 2012
20. bis 23. September in Frankfurt und Mainz

Einen Bauchladen zusammenstellen

Wie überlebt man als freier Journalist? Ein Workshop von Frank Überall

Der rasende Reporter von heute arbeitet im Smart: Antenne drauf, Kamera, Aufnahmegerät, Schreibblock und Laptop rein, auf zum Ort des Geschehens.

„Wenn ich gleich zurück fahre, muss ich auch potentiell bereit sein, etwas aufzunehmen.“ So jedenfalls überlebt Frank Überall, freier Journalist für den WDR, freier Sachbuchautor, außerdem an der Hochschule für Medien in Köln tätig, und für jedes erdenkliche Format, das ihm in den Sinn kommt. Frei anbieten und ein Medium finden ist eines der Standbeine eines freien Journalisten, so der erklärte Autodidakt. „Für Praktika war ich immer zu geizig.“

Mit 41 Jahren und einem Koffer voller Kontakte ist er allerdings nicht mehr in Bereitschaft unterwegs und steht um vier Uhr nachts auf, um einen brennenden Tanker auf dem Rhein zu fotografieren. „Das hat sich aber gelohnt: Kein Kollege hatte so früh sonntags Lust, aufzustehen, und als die Feuerwehr später das Gelände absperrte, war ich der einzige, der drauf stand.“

Frank Überall rät, immer Augen und Ohren offen zu halten nach Themen, aus denen man eine Geschichte basteln kann, und nach Medien und Ressorts, die sich dafür interessieren könnten. „Es gibt eine irre große special-interest-Sparte in Deutschland mit vielen Fachzeitschriften.“ Ein Teilnehmer kommt aus Südbaden und arbeitet für die Badische Zeitung. Für die habe er auch schon mal etwas gemacht, nickt ihm Überall zu. Auf einer Hochschulmesse gab er sich als Vater eines studieninteressierten Sohnes aus und ließ sich von einer privaten Hochschule, die gar keine Lizenz für die Verleihung eines Bachelortitels besaß, ein Studienangebot darlegen und bot die Geschichte anschließend der Lokalzeitung an.

Dass er in seinem Berufsumfeld gut gestellt ist und im Plauderton die Teilnehmer durch seinen Nähkasten führt, war nicht immer so: „Es kam auch vor, dass ich wochenlang nichts hatte, niemand Interesse an meinen Angeboten hatte und ich echt dringend Geld brauchte. Mitten in eine kleinere Geschichte platzte dann eine größere, und auf einmal arbeitete ich rund um die Uhr.“

Ein anderes Beispiel für „drei Tage ohne Schlaf“ war seine Berichterstattung zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Zufällig hatte er an jenem Tag eine Studentin zur Recherche dorthin geschickt, die dann in Doppelfunktion nicht nur ihm Bescheid gab, sondern auch als wortgewandte Augenzeugin bereit stand – wodurch sie selbst bald durch die Talkshows tourte. Frank Überall musste sich mit derart exklusivem Material bald von traditionellen Abnehmern wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder Zeitungen auf die Deutsche Presseagentur beschränken, neben Live-Schalten im Zehnminutentakt wäre kein Platz mehr für Recherchen geblieben.

Die Bezahlung pro Einsatz, also nach Länge des Radio- oder Fernsehbeitrages, Zeilenzahl bei Printmedien, kann sich läppern, wenn man in einer Stunde mal drei O-Töne, zwei Artikel und zwei TV-Beiträge versendet, kann einen, je nach Tarifbestimmungen (so denn vorhanden) aber auch in den Ruin treiben – aufgepasst bei privaten Sendern, rät der Profi.

Doch die Medien im Wandel der Zeit seien gerade auch sehr aufgeschlossen gegenüber fremden Beiträgen, viele, die aktuell an den Strängen zögen, seien auf ähnliche Weise dort hinein gerutscht.

Technische Neuerungen erweitern außerdem die Möglichkeiten und den Kreis derer, die Zugang zu ihrer Nutzung haben. „Es ist völlig egal, was Sie sind, das Thema zählt“, weiß Überall. „Und dann müssen Sie einen Fuß in die Tür setzen.“

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